Band of Brothers

•14. Februar 2010 • 3 Kommentare

British actor Rowan Atkinson in his Incitement of Religious Hatred Speech to Lords

(…) (This law) promotes the idea that there should be a right not to be offended, when in my view, the right to offend is far more important than any right not to be offended, simply because one represents openness, the other represents. (…) oppression. [read all]

Credo

•26. Juli 2011 • 2 Kommentare

Derzeit läuft auf dem Propagandasender des Bundesamtes für Gesundheit eine neue Kampagne. Für einmal nicht gegen eines der üblichen, verdächtigen Laster (je länger wir leben, desto höher sind die Einschaltquoten beim SF), sondern gegen das hier. Ein Journal im Internet.

Die Nachrichtenshow ‘zehn vor zehn’ (fünf vor zwölf würde ihr besser zu Gesicht stehen) hat die Wurzel des Problems entdeckt. Die Weblogs, bloss weil ein ein politisch motivierter, psychopathischer Massenmörder das Medium nutzte.

Nicht Blogs sind das Problem. Die Anonymität ist es. Im Schatten dieser Anonymität wird auch in der Schweiz täglich haufenweise rechter und linker Dreck deponiert – je dümmer, desto extremer. Je extremer, desto feiger.

Es gibt aber auch Blogs und Autoren, die sich an das oberste Credo halten. Nein, nicht diffuse Objektivität (Journalismus handelt primär von Meinung; ein Irrglaube, er handle von objektiver Information). Das oberste Credo jeder publzisitsichen Tätigkeit ist Transparenz. Dazu gehört ein Name und ein Gesicht.

Es ist bekennend und zeigt, wes’ Geistes Kind die selbsternannten Hüter der sogenannten Objektivität im staatlichen Rundfunk sind, dass sie in Verkennung von Satire und Kritik die Weblogs jagen, die sich an das oberste Credo halten.

From Dust till Dawn

•26. Juli 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Once…

 

… and today.

…extremely well done !

Fensterplatz in Rio!

•5. Juli 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

„Você está indo jogar uma pelada!?“ hören wir die Mutter aus der Küche rufen.

(Natürlich nicht unsere Mutter. Wir spielten keine Pelada. Wir fuhren Rollschuh. Oder spielten Fussball. Zur Freude des Sigristen an die Mauer der Kirche.)

Die Mutter, die das rief, war die Senhora do Nascimento. Und aus dem kleinen Edson sollte doch etwas werden. Eines Tages, wenn er gross war. Dass man auch ohne Schule etwas werden kann, hatte Frau do Nascimento nie jemand gesagt. Und ehrlich gesagt: Im Brasilien anfangs der Fünfziger konnte man mit oder ohne Schule fast nichts werden.

Pelé, wie der kleine Edson auf dem Fussballplatz gerufen wurde, wenn er mit den anderen eine Pelada, einen Barfussmatch spielte, wurde etwas: Der grösste Fussballer aller Zeiten.

Mit 17: der erste Meistertitel im Campeonato Paulista

Was nach der Meisterschaft und der Weltmeisterschaft im Jahre 1958 folgte ist Geschichte. Und die Geschichten darüber Legion. Deshalb nur ein paar kurze, unumstössliche Dinge:

Natürlich gab es vor Pelé einen Leonidas und einen Matthias Sindelar, den man den „Papierenen“ rief. Selbstverständlich gab es zu seiner Zeit einen Eusebio, einen Garrincha, einen Cruyff oder einen Beckenbauer. Letzterer behautptet bis heute „I musste jo nie auf den Ball schaun, weil, der Ball, des woa mein Freind.“ Pelé musste auf den Ball schauen. Man entscheide selber, wer der grössere war.

Im Duell mit Ademir

Nach Pelé folgte alle zehn Jahre ein grosser Mann. Dieser Maradona, den alle nur Marado-nn-a nennen, vermutlich, weil er immer so weibisch tut. Danach Zidane – über den wir nichts, aber auch gar nichts schlechtes sagen wollen. Und schliesslich dieser Zwerg, der immer dribbelt, dieser Messi, aus Argentinien; liegt irgendwo hinter Brasilien.

Damit ist alles gesagt. Alles? Nicht ganz. Gestern abend lief im Schweizer Farbfernsehen die tägliche Mottenkiste, das Spielhaus für uns Männer. Das Paradepferdchen im Sport-Stall des SF (das jetzt ja SFRs oder so ähnlich heisst, aber diesen Scheiss machen wir nicht auch noch mit: Axpo Super League. Stade de Suisse. Ralph Sloczower. Mal aufhören mit diesen komischen Namen), das Paradepferdchen ist ja auch dafür berühmt, einfach ein wenig zu plaudern.

So auch gestern. Im Bericht über Marta – übrigens gut recherchiert – folgte unweigerlich der törichte Vergleich  mit Pelé. Sagte auch Marta. Das SF ist im übrigen bekannt dafür, einen Hang zur Stereotypisierung zu pflegen, sobald es sich um Menschen mit nicht so raclettekäseheller Haut handelt wie zum Beispiel der Staff des Fernsehsports (sie erinnern sich an die WM 2010, oder an die Porträts ‘afrikanischer’ Spieler im Schweizer Fussball).

O rei, dem Grössten aller Zeiten, waren die Fussballgötter derart hold,
dass sie ihn sogar herzförmig schwitzen liessen.

Und weil für die Fensterplätzler vom SF dieser Pelé halt so ein Neger Schwarzer aus diesem Brasilien ist, ist für das SF auch klar, woher er kommt: Aus Rio! So einfach. Und das Museum mit seinen Trophäen? In Rio! Und sein Klub, der Santos FC? Aus Rio!

Nein. Leider nein. Santos liegt nicht in Rio. Als wir, damals, in den grossen, alten Tagen, vergangen wie der Regen über Sao Paulo, von Sao an die Rodoviaria in Guaruja fuhren, fuhren wir über die SP-055, und von der Abbruchkante im Tropenwald sahen wir über üppiges Grün unter einem endlosen Himmel hoch über dem Südatlantik die alte Hafenstadt Santos vor uns liegen. Und es liefen uns noch jedesmal kalte Schauer über den Rücken, wenn wir die Heimstatt dieses grössten Fussballers aller Zeiten sahen, 600 Kilometer von Rio entfernt.

Pelé: er war einmal ein Schuhputzjunge.
Er machte, was man nie gesehen hat,
an diesem Tag in Schweden, nass und glatt.
Er leckt die Bälle weg wie mit der Zunge.

Leonidas war groß und ist versunken.
Und Ademir war größer und verschwand.
Der allergrößte aber, vor der Hand,
ist nun Pelé. Man hat ihm zugewunken.

Sein Ruhm ist heller als der frische Schnee
und darauf dunkel zaubernd tanzt Pelé.

(Ror Wolf. Aus: WM Moritat 1958. in: Das nächste Spiel ist immer das schwerste, Frankfurt a.M., Frankfurter Verlagsanstalt, 1994, S. 16)

P.S. Pelé selber gab seine Krone, die man ihm, o rei, aufgesetzt hatte, freiwillig ab und setzte sie dem unvergleichlichen George Best auf. Er nannte Best den „besten Fussballer, den er je gesehen hatte.“ Sagt Pelé über George Best. Und wenn wir ganz ehrlich sind, hatte Pelé recht.

P.P.S. Das Museu do Futebol des brasilianischen Verbandes CBF befindet sich in Sao Paulo. Das Klubmuseum von Santos daselbst im Museu Alvinegro Praiano.

Das Trinkgeld – eine Vision

•16. Juni 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Kürzlich über diesen Text gestolpert. Er wurde – welch’ Überraschung ! – von keiner Zeitung publiziert. Geschrieben vor 15 Monaten. So gedacht vor 15 Jahren. Der Prophet im eigenen Land gilt nicht nichts. Aber wenig.

Das Trinkgeld
Kennen Sie solche Leute? Sie sitzen im Restaurant, die Küche ist ausgezeichnet,
der Wein gut eingeschenkt und wenn’s ums Bezahlen geht, lehnt sich einer am Tisch
zurück und sagt bestimmt: «Ich gebe sicher kein Trinkgeld. Ich bezahle ja für alles!»
Kein fachliches Argument könnte diese Haltung entkräften. Blickt man über den
sprachlichen Tellerrand, wird deutlich, worum es beim T.I.P. geht: To ensure a proper
service. Eine alte und zugleich zeitlose Form eines Handels. Darin liegt das Wesen
dieser Geste: Sie bedeutet ein Geben und ein Nehmen.
Natürlich findet sich stets eine Minderheit, die das bullige Auftreten gegen alte
Überlieferungen als bodenständig und rechtschaffen befindet. Wer sich aber gegen
eines der ältesten kulturellen Erbe der Menschheit, das Gesetz des Handels stellt,
muss sich nicht wundern, wenn er am Schluss kein Trinkgeld, aber doch die Zeche
bezahlt.

Kein Trinkgeld, aber die Zeche bezahlt

Der FC Aarau ist beileibe nicht dafür bekannt, ein grosser Geber zu sein. Gerade
wenn man es aus strukturellen, bisweilen hausgemachten Gründen nicht so sehr mit
dem Geben hat, wäre Vorsicht geboten, nicht immer nur zu nehmen. Sonst sind die
wenigen verbliebenen Sympathien schnell verspielt.
Es gibt im Leben bisweilen unangenehme, aber kulturell verwurzelte
Gepflogenheiten. Sich dagegen auflehnen wird keinen Systemkollaps bewirken.
Nicht im Restaurant und weniger noch im Fussball durch die Weigerung, vor wie
hinter den Kulissen gewisse Regeln hinzunehmen. Hier wie dort gilt: Nur wer gibt,
erhält etwas zurück, und nicht jede Forderung ist eine Erpressung (in Italien bezahlt
man immer den coperto, sogar wenn nur ein Körbchen knochentrockenes Brot
gereicht wird).
Wer nie gibt, dem wird irgendwann nicht mehr gegeben. Vermutlich hat sich der FC
Aarau an genau diesen Punkt manövriert. Wer einst die U-21 ersatzlos strich, um
Geld zu sparen, sich den nicht immer durchschaubaren Gepflogenheiten im
Tagesgeschäft verweigerte und das vermeintlich gesparte Geld schliesslich
verjubelte für ein wenig heisse Luft gleicht demjenigen, der in der «Idaburg» das
Trinkgeld verweigert, um mit dem Geld beim Take Away noch einen Kebab zu
verdrücken. Anders ausgedrückt: Wer vor lauter Sparen vergisst, recht zu essen, soll
sich nicht wundern, wenn er irgendwann verhungert.
Zweimal hat der FC Aarau nun gewonnen. Bleibt für den Klub, den kurzzeitigen
Erfolgen zum Trotz, dennoch nur noch eine harte Diät? Beim trockenen Brot in der
Challenge League? (März 2010)

***

P.S. Tip: Googeln Sie „FC Aarau Abstieg“. Wählen Sie Bildersuche. Fällt Ihnen etwas auf?

Nottingham Forest – Triumph und Untergang

•6. Juni 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

von Tobias Pingler *

Dreissig Jahre Wind sind seit den legendären, von Koryphäen wie Martin O’Neill, Tony Woodcock, Peter Shilton und Brian Clough geprägten Zeiten mittlerweile in und übers Land gezogen.

The manager of all managers: Brian Clough

Drei Jahrzehnte, in denen es für die „Könige von Europa“ vornehmlich um Dinge gegangen war, die mit der Anhäufung weiterer Silberware nicht das Geringste zu tun hatten. Erst blieb der Erfolg aus und mit ihm das Geld, dann das Glück, später kam das Pech dazu. Ein beispielloser, von zahllosen Pleiten und Fast-Bankrotten begleiteter Niedergang folgte, an dessen Ende sich die Tricky Trees 2004 in der dritten Liga wieder fanden.

Nottingham is a lovely place, so much to see and do,
a castle, caves, the river, we’ve got a windmill too! (June Fisher)

Vier Jahre quälten sie sich durch die faktische Bedeutungslosigkeit, ehe Fortuna 2008 mit dem Wiederaufstieg in die zweite Liga ein Einsehen hatte: Ein kleiner Schritt zurück in Richtung Europa.

Das war gestern, vorgestern ist ein Märchen, heute ist hier und jetzt: Ein sonniger Frühlingstag, dreissigtausend Kiebitze pilgern erwartungsfroh über die Brücke zum wunderschön am Flussufer gelegenen City Ground, um sich das Spiel gegen die Rovers aus Doncaster anzusehen. Unter ihnen auch des Schreibers Zugbekanntschaft Paul und Paul, zwei vierzigjährige Kinder mit einer detailgetreuen Kopie vom Original – Pokal von 1980 (ein Monster von Pokal) und reichlich Gerstensaft im Gepäck: „We’re just going to bring this to where it belongs“, sagen sie, und laden den Schreiber herzlichst zum Triumphzug durch Stadt und Kneipen ein.

You are my Forest, my only Forest,
you make me happy when skies are grey,
you never notice how much I love you,
please don’t take my Forest away.

Anfassen, hochstemmen, posieren, weiter. Von Pub zu Pub eilen sie mit ihrem Baby, und wo sie auftauchen, schlagen ihnen Stürme der Begeisterung entgegen. Staunenswert, wie schnell sie dabei Pint um Pint wegschütten, nicht minder staunenswert, wie schnell der nächste Halbe schon wieder bereit steht. Burger und Bacon Roll verhindern einen mittäglichen Vollrausch. Mein Gott, sind die trinkfest. Zeit für ein Wasser, Zeit, wieder klar zu sehen (was dann allerdings, wie sich später zeigen sollte, so gar nicht nötig gewesen wäre).

Trevor Francis, legend

Viele Wochen war Forest hinter den Queens Park Rangers auf dem zweiten Platz gestanden und hatte zu Hause 36.Spiele lang keine Partie verloren. Es hatte also lange sehr gut ausgesehen. Nun drohte das Erreichte mal wieder verlustig zu gehen, war man doch auf Platz sechs abgerutscht. Ein Negativtrend, der gegen die Durchschnittstruppe aus Doncaster gestoppt werden sollte.

Die Vorfreude war gross, das Gebotene dann allerdings ungleich enttäuschender. Ohne gewonnene Zweikämpfe gewinnst du kein Spiel, ohne Tore erst recht nicht, und dass die Gäste keines schiessen, liegt nur an ihnen selbst und ihrer mangelnden Qualität. Nottingham hat Angst. Man kann das förmlich riechen. Sie spielen mit angezogener Handbremse und kommen deshalb immer den einen berühmten Schritt zu spät, sind so natürlich auch nie parat für einen Blitzgedanken, die eine richtige Entscheidung, den finalen Pass zur rechten Zeit.

The woods are lovely, dark and deep.
But I have promises to keep (Robert Frost)

Und wenn dann doch mal ein Ball ankommt, fliegt die Flanke unerreichbar aufs Tribünendach, oder fällt der Stürmer zehn Meter vor dem Tor ungelenk über den bereitstehenden Ball. Ein einziges Trauerspiel. Dreissigtausend Leidgeprüfte sind still wie ein Grab, ertragen stoisch das Gebotene und ahnen, was am Ende bei diesem Grottenkick erster Güte rauskommen muss: Ein null zu null der richtig schlechten Sorte. Europa wieder mal ganz weit weg, weil auch Kris Boyd, der neue Stürmer und seines Zeichens Rekordtorschütze Schottlands, nichts mehr reisst.

You may say I’m a dreamer,
but I’m not the only one (John Lennon, Liverpool)

Und so bleibt wie so oft nur die Hoffnung auf das nächste Spiel. Und natürlich die von vielen gewählte Option, sich die Gegenwart eben etwas schöner zu trinken und alten Zeiten zu frönen. Es könnte Schöneres geben. Aber auch Schlimmeres. Drittklassigkeit, zum Beispiel.

* Tobias Pingler, 1974, ist Schauspieler, Dichter und Sänger. Er lebte lange Jahre in Berlin und zog mit den Machern von „11 Freunde“ um die Häuser. Kürzlich tourte er mit Poesie plus X durch verschiedene Schweizer Städte. Der Artikel entstand während eines Atelierauftenthalts in London, im Februar 2011. www.tobias-pingler.net

 
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