•18. Juli 2009 • 1 Kommentar

T-Shirt

Sport Aktuell – Der Titelsieg!

•28. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 27. November 2009

Vorwürfe können dem einzigen nationalen Sender viele gemacht werden. Ausser einem. Sie haben es nie verpasst, möglichst schnell ein Auge auf die wenigen leuchtenden Sterne am Schweizer Sporthimmel zu werfen. Allerdings kommt uns das SF jeweils ein wenig so vor, wie der Fischer, der einmal, aber wirklich nur einmal einen grossen Fang getätigt hat und danach für den Rest des Lebens nicht mehr vom Superlativ loskommt. Beim SF äussert sich dies zudem auch so, dass sie am Nachthimmel noch Licht sehen, wo wir nur noch die schwarze Unendlichkeit zwischen uns und den Quasaren wahrnehmen: Da werden Ruderer und Kanuten und Fechter gefunden, die die Welt noch nicht gesehen hat. Eben, weil sie leistungsmässig unsichtbar sind. Nur das SF sieht in den unendlichen Weiten des Sportweltalls das weisse Kreuz auf rotem Grund leuchten. Wer Dinge sieht, die es nicht gibt, und darüber auch noch redet, ist oft religiös, und dass das SF uns die Birne vollpredigt mit Swissness, während wir viel lieber den Eishockeyspitzenkampf aus Russland sehen möchten, ist bekannt.

An einem Punkt berührt sich die manchmal auch schon peinliche Sehnsucht nach Weltläufigkeit am Leutschenbach mit von Superlativen verwöhnten. Es gibt kaum einen helleren Stern am aktuellen Sporthimmel als Roger Federer (haben Sie sich auch schon gewünscht, er möge in St.Louis, knapp hinter der Basler Grenze zur Welt gekommen sein?). Und dieser unser Roger, der nach eigenen Angaben nur noch um Rekorde spielt, trifft nun ausgerechnet auf Nikolai Davidenko, der in neun Jahren Spitzentennis (40 Finalmöglichkeiten an Grand Slams und Masters) genau drei Mal unter Verdacht der Manipulation (wetten dass es um Wetten ging?) und ein einziges Mal im Finale stand. Siege? Nada. Rogers Meinung zur Halbfinal-Qualifikation und den möglichen Finaleinzug: «Ich habe jetzt die Chance auf den Titelsieg!». Titelsieg? Roger, we love you!

Trimphator: Nicht der Sieg zählt. Nicht der Titel. Sondern der Titelsieg.

P.S. Einsamer Höhepunkt der Sendung war der coole Happy-Paddy, der mit seinem Ostschweizer Froschmaul drei Berner Fans in der Eishalle imitierte. Komm, Paddy, sag noch einmal Häne o Fäbu! (L.T.)

Stell dir vor es ist Fussball und niemand geht ins Stadion

•27. November 2009 • Kommentar schreiben

Gelähmt und geschockt zugleich las man sich durch die Schlagzeilen des Wettskandals, der immer groteskere Ausmasse annahm. Zuerst waren es nur einzelne Spieler, die offenbar geschmiert worden sind, nun sind es bereits Funktionäre, Trainer und auch die Männer in Schwarz machen fleissig Kohle. Solche Schlagzeilen ärgern, nicht weil sie öffentlich gemacht werden, sondern weil sie den Glauben an den fairen Sport zu tiefst erschüttern.

Soll man überrascht sein über diese Entwicklung? Auf den ersten Blick vielleicht, aber auf den zweiten deutet vieles darauf hin, dass es so kommen musste. Der Fussball ist zu wichtig geworden. National und International. Mittlerweile kann man auf alles wetten, was das Herz begehrt. Sogar auf ein unbedeutendes Spiel in der Chinesischen Liga oder darauf, wer den ersten Eckball während einem stinknormalen Ligaspiel schiesst. Das Internet und die Globalisierung machen es möglich.Betrügen was das Zeugs hält. Ja, so einfach ist es geworden. Zum Vorteil von ein paar wenigen, zum Nachteil von allen Fans, für die der Fussball ebenso wichtig ist.

So richtig mag man nicht mehr an den fairen Sport glauben. Der Fussball ist zum Big Business verkommen. Einzelinteressen stehen dann immer über den allgemeinen. So nimmt man den Fans den Glauben, auf das was der Sport sein könnte. Ein Spiel, bei dem man manchmal gewinnt, aber bei dem man manchmal auch verliert. Nicht mehr, und nicht weniger. So gesehen ist dieser Wettskandal vielleicht nur die Spitze des Eisbergs. Weitere Skandale sind vorprogrammiert. Die bescheidene Kampfansage der Fans könnte lauten: Nehmt ihr uns den Glauben, dann kommen wir einfach nicht mehr zu den Spielen ins Stadion. Sollen die doch Wetten und Betrügen wie sie wollen – einfach vor leeren Rängen. (P.D.)

Sport Live – Die Heilige Dreifaltigkeit

•26. November 2009 • 2 Kommentare

Sendung vom 25. November 2009

Potentaten und Diktatoren unterscheiden sich speziell in einem Punkt vom Rest der Menschheit: Durch ihre totale Weltfremdheit. Wer mit Potentaten leben muss (bevor sie, wie noch immer in der Geschichte der Menschheit, gestürzt wurden), hat meist auch keine Wahl. Somit leben wir in der Schweiz im glücklichen Spagat, basisdemokratisch über ein Zufahrtswegli im Tösstal oder im Gellert abstimmen zu dürfen und gleichzeitig in einer Mediendiktatur zu leben.

So, wie gestern das Trio Gress/Egli/Salzgeber stellen wir uns die Generäle eines korrupten Caudillos abends nach einer Razzia in einer geheimen Druckerei der Opposition vor. Die drei sind guter Dinge. Die Kalauer, auch die schrägen, rollen. Man fasst sich an den Arm. Fällt sich mit einem Lachen ins Wort. Die Grenzen zwischen Unbedarftheit und Dummheit sind fliessend.

Wir sprechen uns an dieser Stelle immer wieder laut und deutlich für Stimmen der Vernunft aus. Gerade jetzt, wo der Skizirkus bereits wieder durch die Welt tingelt. Wer anders als ein Techniktrainer soll uns denn sagen können, warum Nadja Styger genau an der Stelle ausgeschieden ist, an der Lindsey Vonn das Rennen im Endeffekt gewann? Etwa der sich heiser geschriene Solarium-Matthias?

Was uns aber gestern aus dem Camp Nou einmal mehr geboten wurde, sprengt den Rahmen des Begreifbaren. Wenn wir wenigstens wüssten, dass sich die drei während neunzig Minuten ganz übel die Kante geben, wir würden sogar noch mitziehen. Aber die Potenzierung der Ernsthaftigkeit durch bewusste Idiotie in totaler Nüchternheit führt zum Resultat, dass sieben Tage nach dem grössten Wettskandal, den mitunter auch die Schweiz erfasst hat, diese Kretins auch noch vor laufender Kameras Wetten abschliessen. Wir können aus dieser Warte nicht mehr entscheiden, wer dümmer ist: Salzgeber, weil ihm das nicht in den Sinn kommt. Oder Gress und Egli, weil sie es nicht merken. Sancta Simplicitas! (L.T.)

Kretinismus hoch 3

Lounge&Live – Falsche und echte Helden

•26. November 2009 • Kommentar schreiben

Sportlounge/Sportlive, 23./24. November 2009

Gestern fragten wir uns, ob ausser uns wenigen noch jemand anderes sich des Ausdrucks bedient: «Im falschen Film sein». (Wir bezweifelten es augenblicklich und einigten uns, es hiesse heute: «Hey, nimmsch Coci?»). Bloss: Wir waren im falschen Film. Gleichsam eine filmische Zeitreise. Hauptdarsteller im schlechten Film war Beni Turnheer. Noch schlechter sind nur Benis Hintermänner, die davon keine Kenntnis nehmen wollen (wir vermuten, weil sie schlicht nichts bemerken).

Champions League. Camp Nou. Barcelona gegen Inter. Schon hundert Mal gesehen. Völlig ausgelutscht und entsprechend langweilig. Immer die gleichen Rituale. Auch in der Kommentatorenkabine. Weshalb entsendet man diesen Turnheer überhaupt noch nach Barçelona, wenn Dani Langwyler doch ein für allemal bewiesen hat, dass man auch aus dem Fernsehstudio Leutschenbach emotional (oder was man dafür hält) kommentieren kann (für einen Flug Zürich-Barcelona und wieder zurück (C-Class) muss man auch heute noch geschätze zwölfhundert hinblättern. Das entspricht rund zweihundert Tageskarten der VBZ (mit Halbtax, versteht sich). Was soll’s, Turnheer war dort. Und leider auch Massimo Stinkefinger, vormals Busacca. Doch es war nicht Busaccas schuld. Denn Beni T. leierte und leierte über Massimo, unseren Massimo, und er las und las und las aus der Statistik, bis keiner mehr hinhörte, und erklärte und zählte wie viele Mal er, Massimo, schon in der Champions League gepfiffen hatte, und nie, nie, nie habe er einen Fehler gemacht. Stop it, Beni!

Zu den Zeiten, als Henne Hermann noch für die Nati die Bälle verteilte, Erich Burgener den Kasten reinzuhalten versuchte und Claudio Sulser England im Alleingang abschoss, nahm die Schweiz, neutral und traditionell, nie an internationalen Anlässen wie einer WM teil. Wer aber immer teil nahm, waren Schweizer Schiedsrichter: Dubach, Daina, Galler, Röthlisberger (der mutmassliche Betrüger), Meier (Urshole) und jetzt Massimo. Was konnte da der Boulevard tanzen, wenn unsere Schweizer einen Viertelfinal pfeifen durfte (und wenn dann die rosa Gazzetta auch noch über die Leistung unseres Schiris sibyllinisch schwieg, konnte dies nur das allerbeste bedeuten). Und der Boulevard tanzte. Wir sind zwar nicht dabei, aber trotzdem mittendrin. Fast so, wie beim heurigen Wettskandal.

Wie kann man ein Fussballspiel kommentieren und während der ersten zehn Minuten über den Schiri – und nur den Schiri – reden? Braucht es umso mehr Helden, je weiter man selber vom Auge des Taifuns entfernt ist? Wir dachten lange, diese Zeit sei nun auch in der Schweiz überwunden. Weit gefehlt.

Am Montag, dem Tag nach dem Auffliegen des grossen Wettskandals, an dem man ohne Probleme Erich Vogel, Kurt Röthlisberger, Maurizio Gaudino und irgend einen Funktionärsfuzzi à la Sloczetcetera in die Sportlounge hätte bitten können (Profifussball: Grenzen der Verführung), feiert das SF mit der sehr schönen Steffi Buchli eine fröhliche Erinnerungsrunde: «Vancouver vor 21 Jahren: Calgary». Man müsste die gesamte Führung des Schweizer Fernsehens in die Weiterbildung nach Nordkorea entsenden.

Auch wenn er es nicht gerne hört: Immer auf Teufel komm raus!

Hyppolit Kempf ist ein langweiliger Funktionär. Bei Ekkehard Fasser fragte die Alte Frau auf der Strasse (in der sogenannten Sportbox) zu Recht: «Isch da en Tütsche?». Vrene Schneider begeisterte uns zwar durch Ehrgeiz, Siegeswillen und Medaillen, ist aber insgesamt einfach nichts weiter als eine huere langweilige Babe. Aber da sass noch der König der Steilhänge in der Runde. Früher, als Büeb isch dr Berge, war er der Medienwelt noch nicht ganz gewachsen («Aids ist eine Strafe Gottes»). Aber als er so da sass und in seinem uralten Zermatter Dialekt nochmals den alten Siegeswillen, die Unbedingtheit und den Willen zum Triumph demonstrierte, lief es uns kalt den Rücken herunter. Fragt Steffi Buchli: «Was hätt Ihne de Schisport braacht?» Zurbriggen versteht die Frage nicht. Steffi wiederholt. Zurbriggen: «Ah, wos er gebrunge het!». True heroes never die! (L.T.)

Fussball – For the Game. For the World.

•23. November 2009 • Kommentar schreiben

Der WM-Spiegel: Die Teilnehmerländer

Was ist wichtiger, als die Römer Verträge von 1957, die das friedliche Zusammenwachsen von Europa besiegelten, und die UNO-Vollversammlung zusammen? Es sind die friedlichen und kostspieligen Zusammenkünfte der Potentaten des Weltfussballs in den Blofeld-Katakomben auf dem Züriberg (nur den Flügelschlag eines Schmetterlings entfernt vom grössten Zürcher Gefängnis, dem Wildtier-Zoo, ebenfalls unter der Ägide eines Mannes, der sich mit dem Geld von anderen für einen Wohltäter hält).

The Game. The World. Wir verstehen aller herbstlich-kulinarischen Genüsse zum Trotz nicht, wie Game und World so ganz universell in einem Slogan zusammenfinden können. World – die Welt. Game – das Wild (lesenswert in diesem Zusammenhang die Erzählung Green Hills of Africa von Hemingway, in der ein Mann seine Angst vor der Impotenz mit der Jagd nach Trophäen, sogenanntem big game hunting, in Afrika kompensiert). Vermutlich war es die Blatter’sche Vision, vermengt mit derart potenziellen Gründen, dass die WM 2010 in Afrika stattfinden wird, die den furchtbaren Slogan aus der Taufe hob (visionäre Männer wie Joseph S. Blatter wissen aus unerfindlichen – sprich visionären – Gründen jeweils schon im Voraus, wie Abstimmungen ausgehen. Insider vermuten, es hänge mit seiner basisdemokratischen Walliser Herkunft zusammen).

Bemerkenswerterweise verstummt das berechtigte und vornehmlich männliche Protestgeheul gegen die Fifa immer zwischen dem Abschluss der Qualifikation und der Übergabe des World Cup (in Blatters visionär bilingualen Ausprache «World Coupe» genannt). Stattdessen wird auf Nebenkriegsschauplätzen gescharmützelt.

Nebst dem Lamento über Le hand of God, das den vormaligen Saubermann des Weltfussballs Thierry Henri auf eine Stufe mit dem gefallenen Engel vom Rio de la Plata in der Gestalt eines Pyknikers stellt, ereifern sich auf einmal die Kommentatoren rund um den Globus über Nebensächlickeiten, die meist um Trainer- und Stürmerfragen oszillieren. Einer hingegen vermerkte, beim nicht qualifizierten Team von Israel handle es sich immerhin um Vertreter einer Krieg führenden Nation. Diesen Steilpass erlaufen wir mit stupender Leichtigkeit und durchleuchten in Kürze die Reinheit des Teilnehmerfeldes.

CAF – Afrika

Vom Afrikanischen Kontinent, wir erlauben uns die Pauschalisierung, fahren lauter Verbrecher nach Südafrika. Lauter Verbrecher! Algerische Wahlbetrüger (Verbot des Wahlsiegers Front Islamique du Salut), Nigeriansiche Menschenrechtsverletzer (ermordeter Ken Saro-Wiwa für ein paar shellige Petrodollars). Côte d’Ivoire, Ghana und Cameroun sind nicht nur Wiegen der Menschheit, sondern Trainingsgelände für den Gebrauch von Macheten und der Korruption (interne Vorbilder finden sich links oberhalb des Grand Hotel Dolder).

OFC – Ozenanien

Nicht viel besser sieht es im Raum Ozeanien aus: Australien, eine als Kontinent geschimpfte Lumpeninsel, die boat people absaufen und Aborignies sich voll saufen lässt.

AFC – Asien

Japan, ach Japan, dieser krude Mix aus shintoistischer Zurückhaltung und Leugnung von allen je begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Südkoreanischen Betrüger, die den Einzug in den Halbfinal 2002 nachweislich gekauft haben (mit dem Segen des Saint Joseph; immerhin wurde der ecuadorianische Schiedsrichter Byron Moreno auch in seinem Heimatland eindeutig der Schiebung überführt). Nordkorea, pfui Teufel, lässt sein Volk verhungern und serviert ihm einzig einen Atompilz zum Zvieri.

UEFA – Europa

Europa, insgesamt ein ins Sozimäntelchen gekleideter faschistoider Cocktail aus Katholizismus, Kapitalismus, Antisemitismus und Fremdenhass, exportiert, Frankreich und England an der Spitze, Waffen und Exploitation im Quadrat. Ein wunderbarer Kontinent. Die Schweiz ist, im doppelten Sinn des Wortes, ein gut geschmiertes Rädchen in dieser, nebst den USA, verlogensten Maschine auf dem Globus.

CONCACAF – Nordamerika

Womit wir schon bei der CONCACAF wären. Nebst den USA, übrigens einer Krieg führenden Nation wie Frankreich, Deutschland, England, Italien, Australien, finden wir das herrliche Mexiko mit der höchsten Mordrate (sowie der höchsten Rate an unaufgeklärten Verbrechen, eingeschlossen die Profiteure der Maispreiserhöhung, damit die Armen vor Hunger nach Mais verrecken während unsere meist linksliberalen Gutmenschen mit Biosprit ins Wochenende fahren können). Auch mit von der Partie das paradiesische Honduras, jeweils nur einen Genickschuss vom nächsten Militärputsch entfernt.

CONMEBOL – Südamerika

Von Honduras aus ist es dann jeweils nur noch ein kleiner Schritt bis in den ewigen Hinterhof dieser Welt, dem vom lieben Gott und Papst Johannes Paul II. persönlich gesegneten Südamerika. Mit den Teilnehmerländern Paraguay (General Alfredo Stroessner, vierzig Jahre blutiger Diktator, wurde anfangs der neunziger Jahre endlich abgelöst, notabene durch einen anderen Diktator), Brasilien (wer kann sich an all die Generalissmos wie da Silva und Medici noch erinnern, nachdem auch noch die paraguayansichen Diktatoren dort unbescholten ihren Lebensabend verbringen), Argentinien (der Begriff Junta ist die wohl zynischste Bezeichnung für das Regime Videlas, und der selige Juan Diaz, der sich für mein Zahnheil verpflichtet hatte, berichtete mit tränenfeuchten Augen vom WM-Titel von 1978 im eigenen Land – Buenas Dias Argentina, guten Tag Du schönes Land –, weil damals drei seiner Studienkollegen für immer in den Folterkellern verschwunden waren), und über Uruguay und Chile (übrigens beides Miltitärdikaturen wie heute zum Beispiel Venezuela), mögen wir keine Worte mehr verlieren. Ausser, dass all diese Länder von Europa und den USA immer sehr grosszügig unterstützt worden waren.

Nachdem nun also das Krieg führende Israel nicht an der WM teilnehmen wird, schauen wir getrost nach Südafrika, wo sich for the world and for the game all die wilden Hunde auf dem Platz und all die Schweinehunde von der Regierungsbank ein Stelldichein geben werden. Let the games begin!

P.S. Eine Mannschaft fehlt, die ein wenig Licht ins Dunkel gebracht hätte. Es ist das traurige Bosnien, das aus der Sniper Alley von 1995 auferstanden ist. Ein Land mit orthodoxen Zwiebeltürmen, katholischen Kirchtürmen und muslimischen Minaretten, das Land des traurigen Ivica Osim, der damals, 1992, mit seiner jugoslawischen Jahrhundert-Mannschaft nicht an die EM fahren durfte. Weil seine Heimat Jugoslawien eine Krieg führende Nation war. Bosnien, oh reiner Widerspruch, Lust, niemandes Wiege zu sein unter soviel Ländern. (L.T.)


Sport am Wochenende – New York. Peepshow. Und die Schweiz.

•22. November 2009 • 1 Kommentar

Sendungen vom 19./20./21. November 2009

Als hier in den Neunziger Jahren die Menschen zwischen 18 und 24 einmal im Jahr sehnsüchtig die Streetparade erwarteten und dabei dem Irrglauben aufsassen, die grosse weite Welt würde im provinziellen Zürich einen Zwischenhalt einlegen, tranken und tanzten wir uns, in der Blütezeit der Nineties, durch die New Yorker Bar- und Clubszene. Wenn uns dann ein girl ansprach, die mindestens so aussah wie Kirsten Dunst in Spiderman (mindestens!), zogen wir an der Floppe (damals rauchte noch ganz New York), und sagten, in der Simplizität unerreicht und dennoch enigmatisch, vermischt mit Rauch in die New Yorker Nacht den Satz: I’m Frank. I’m a producer. New York wäre es nie in den Sinn gekommen, uns nach unserer wahren Identität zu fragen.

Ein entspanntes Verhältnis zu Ihrer Identität haben auch die Briten. In Grossbritannien gehört die Namensänderung zu den bürgerlichen Freiheiten. Nicht aber in der Schweiz. In der Schweiz versuchte einst der Verein Secondo Plus die Namensänderung zu beantragen (Studien ergaben, dass sich Schweizer das Badezimmer lieber von einem faulen Blatter plätteln lassen als von einem fleissigen Georgeopopopuolous). Nachdem aber nun auch noch Toni Bortoluzzi Ivica Petrusic vom Verein Secondo Plus den Auftrag gab (merke: in der Partei gibt es nur Aufträge!), stolz auf seinen Namen zu sein, da man mit der Änderung des Namens der Identität verlustig gehe (so wie bei der Heirat), stehen wir vor Problemen.

Als am Wochenende der FC Töss gegen Luzern im Cup spielte, durfte das SF mit der Kamera exklusiv in die Kabine des FC Töss, dass Beni Turnheer nach der Anmodi so verklärt lächelte, wie wir damals an der 7th and 42nd, nachdem wir morgens um vier Uhr das erste Mal aus einer Peepshow kamen (dabei trug er eine Brille, deren Bügel wie die blauen NZZ-Bleistifte aussehen, die wir bei Bedarf immer gratis an der Falkenstrasse 14 beziehen).

Der Lächler mit den NZZ-Bleistiften hinter den Ohren

Uns blieb dann aber das Lächeln sehr schnell im Hals stecken. Die Spieler erhielten erstmals Trikots mit dem eigenen Namen. Man stelle sich das mal vor: Mit dem eigenen Namen! Und wer, wer streckte voller Stolz das Tösser Trikot in die Kamera? Es war die Nummer 17. Oder mit Namen: Kastrati. Man kann nun freilich nicht behaupten, dem Tösser Spiel hätte der Saft gefehlt, obwohl sie gegen den FC Luzern unterlagen. Aber wie kann sich ein Volksvertreter ernsthaft gegen die Freiheit der Namensänderung stellen, wenn ein integrierter Tösser mit diesem Stigma durch die Lande wandeln muss («Coiffeursalon ‘Sestosenso’, do isch Kaschtrati, wie chan ich Ihne hälfe?») Wir vermuten, es handelt sich um eine Schweizer Eigenschaft, bewusst auch Kreuze zu tragen, die man getrost ablegen könnte. Gerade gestern erzählte uns Jann Billeter, dieser Schwiegerlausbub, dass einer unserer Reiter, ein frommer Schweizer, der gerade deshalb Pius Schwizer heisst, mit seiner Stute irgendwas geritten sei (wir halten es mit Hans Jucker, die «Schiisponies» interessieren uns nicht). Wie würden Sie Ihr Pferd nennen? Wir würden es vielleicht «Avalon» taufen. Oder «Thunderstroke». Nicht so Pius Schwizer. Er nennt sein Pferd «Gallina». Ob es allerdings auch Eier legt, konnte die Regie nicht sagen.

P.S. Gewonnen hat der Deutsche Ludger Beerbaum. Er siegte auf Gotha (nicht Gote; die sind alle längst gefallen). (L.T.)

Sport Aktuell – Paddy zaubert sich weg

•19. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 17. November 2009

Wir sind in einem Alter, in dem wir nicht mehr an Wunder glauben. Schleckstengel regnet es nicht mehr vom Himmel. Wir kaufen sie am Kiosk. Fernsehsendungen werden nicht mehr besser, nur weil sie täglich erscheinen (und auch Moderatorenwitz mag uns nicht bezwingen).

So lagen wir nach Risotto und Barbera förmlich in unseren Kissen (schwärmten vom gemeinsamen Briefkasten, den wir dereinst wieder haben werden) und freuten uns für einen kurzen Augenblick wie die Buben, die wir einst, vor langer Zeit noch waren, auf die Aussicht, jetzt dann gleich für einen Augenblick ein wenig in die Zauberwelt des Fussballs abzutauchen (wir hofften auf vier mal drei Minuten lange Zusammenfassungen der Barragespiele).

Hello Paddy (mit d-Flap lesen) im Veston von Matthias Hüppi (@Bakom: Bitte neue Garderobe für Sportredaktion einkaufen). Tief durchatmen. Die Vorfreude wurde durch den Beachsoccer weg gestäubt (wer spielt eigentlich Beachsoccer? Alt-Internationale? Loosers? Challenge-League-Spealer mit Knieverletzung in der Reha? Wir konnten die Fragen nicht beantworten. Der Fussball war miserabel). Nach vier Sendeminuten schon ein wenig erschöpft, schickt uns, ho ho!, Paddy live, live!, ins «Stade de France». Zuerst glaubten wir an einen kurzen Mitschnitt. Daraus wurden vierzig Minuten live-Fussball, die Hand Gottes II, ein Nickerchen und die längste Sport Aktuell Sendung ever mit insgesamt am wenigsten Paddy Kälin. Wenn das nicht Zauberei ist? (L.T.)

Sport Aktuell – Stalin und die Inflation

•18. November 2009 • 1 Kommentar

Sendung vom 17. November 2009

Schwer abzuschätzen, was stärker ist: die Macht der Gewohnheit oder die Macht des Faktischen? Gewohnheitsmässig schalteten wir uns zu und wurden vom Faktischen nieder gerungen. Paddy Kälin hatten wir nach soviel Ueli Gegenschatz und Dani Langwyler von unserer Festplatte gelöscht. Sieh an, den gibt’s auch noch. Zu mehr waren wir nicht mehr fähig. Aber brauchts bei Paddy wirklich mehr?

Für den kommenden Montag schlagen wir in der Sportlounge das Thema «Sport am TV – Inflation oder Segen vor» (falsch! Man kann eben nicht wegzappen oder nicht einschalten. Trotz Nichteinschaltens läuft und läuft und läuft der Sport, und wegzappen ist oft gleichbedeutend mit hinzappen). Früher, sagte kürzlich ein kluger Kopf, freuten wir uns während dreier Tage auf das Länderspiel. Über das Heute schwieg er sich aus.

Wenn bei der geschätzt fünfzig Runden dauernden Regular Season allein im Schweizer Eishockey bis zum April an die 250 Spiele ausgetragen werden, angereichert durch weitere hundert Fussballmatches, garniert mit Championsleague- und Uefa-Cup (bitte nicht kommentieren, es heisse neuderdings Europa-League), dann kommen wir auf rund fünfhundert Stunden Livesport und einen ganzen Tag mit Zusammenfassungen (nonstop).

Die Sendungs- und Inhaltsentwertung gallopiert förmlich davon. Wir schlagen vor, anstatt ganz stalinistisch wie vom Bakom gefordert, flächendeckend Sende- oder weiss der Kuckuck was für Gebühren zu erheben, diese, so nicht abzuschaffen, so doch zu reduzieren, indem die Sendungen vom Dienstag bis zum Donnerstag durch einen siebenminütigen Resultateservice mit einem flow of images ergänzt werden. Das reduziert die Kosten und schont unsere Nerven, nicht war, Paddy und Rainer?

Wir können ohne ihn. Aber er nicht ohne uns.

P.S. Sascha Rufer – seit Wochen vom Bildschirm verschwunden. Fehlt er Ihnen? (L.T.)

Generation Weltmeister

•17. November 2009 • 2 Kommentare

Unglaublich! Die Schweiz ist Fusballweltmeister. Nicht bei den ganz Grossen, sondern beim Nachwuchs oder dem, was (hoffentlich) nach den Grossen kommen wird. Alles liest sich wie ein Märchen. Unglaublich, aber wahr. Die U17 schreibt Schweizer Sportgeschichte. Es ist bisher der grösste Mannschaftstriumph. Die Gegner, die von der Generation Weltmeister in die Knie gezwungen wurden: Mexiko, Japan, Brasilien, Deutschland, Italien, Kolumbien und zum Schluss Gastgeber Nigeria.

Wächst da im Schweizer Fussballeine neue Jeunesse dorée nach? Zumindest aus Basler Sicht darf das gehofft werden, sind nicht weniger als fünf Spieler im Kader des Weltmeisters bei den Junioren des FC Basel am Werk. Die Namen, die sich jeder merken muss. Janick Kamber, Granit Xhaka, Roman Buess, Kofi Nimeley, Robin Vecchi. Würde man noch den Torhüter Benjamin Siegrist dazu zählen, der erst vor Kurzem von Basel auf die Britische Insel zu Aston Villa transferiert worden ist, wären es sechs Spieler. Wahrlich, und es müsste schon mit dem Teufel zu und her gehen, wenn hier nicht vielversprechendes Material nachkommt. Noch ist nicht aller Tage Abend.

Die jungenSpieler müssen nun behutsam an den Rhythmus der ersten Mannschaft herangeführt werden. Wichtig ist, dass den jungen Weltmeister genügend Raum für die eigene Entwicklung geboten wird. Dies geschieht über Trainings mit der ersten Mannschaft, mit Teileinsätzen in Freundschaft- und Meisterschaftsspielen, dies geschieht auch über das Vertrauen und die Perspektive, die der Trainer der ersten Mannschaft den jungen Spieler gibt.

Die Voraussetzungen beim FC Basel sind gut. Bei Thorsten Fink sind die U17-Internationalen gut aufgehoben. Seit seinem Amtsantritt in Basel vor knapp einem halben Jahr sind spiele so viele Nachwuchsspieler wie schon lange nicht mehr. Rosige Zeiten für den FC Basel also. Alle Weltmeister sind sie Jahrgang 1992. Gesegnet mit Talent, gesegnet mit einer Aufopferungsbereitschaft und gesegnet mit einem Willen, der sie in die Schlagzeilen von morgen katapultieren lässt. Zu hoffen ist es für den FC Basel und zu wünschen für jeden dieser jungen Spieler, nicht nur die, die für den FC Basel spielen. Unglaublich, was die U17 erreicht hat. Bravo! (P.D.)

Sportlounge – Mutter Theresa parkiert

•17. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 16. November 2009

Vom Sprachgefühl her, das täglich auch ram. beseelt, hätten wir, unserer schweizerischen Herkunft zum Trotz, lieber geparkt geschrieben. Aber, ganz schweizerisch und trotzdem am trotzigen Luther geschult, bleiben wir beim parkieren. Wir wollen schliesslich nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Ganz im Gegensatz und schon ebenso traditionell zu Regulas Lounge vom Montag abend.

Nebst der spezifischen Thematik treibt uns auch die Frage um, weshalb eine Gesprächsrunde eine johlende Zuschauerkulisse braucht (an manchem Montag Abend haben wir uns schon ein Studio Leutschenbach voller Vuvuzelas vorgestellt, die während fünfundvierzig Minuten unablässig geklönt hätten). Nachdem es unter der Sonne nichts Schlimmeres gibt als ein Stadion voller Eventfans mit von der Credit Suisse gesponserten Schweizerfahnen, wurden wir vom SF nun auch noch mit einem Studio voll davon beglückt (in der venezuelanischen Chavez-Diktatur müsste der Caudillo dem plebs für eine solch miserable Show immerhin Geld in die Hand drücken; in der Schweiz machen es die Leute umsonst. Auch ein Ausdruck von Wohlstand – oder Verdummung?). Zuschauer bei einer Gesprächsrunde; da kann es nur um den missglückten Versuch gehen, Authentizität zu bewirken, gleichsam ein – missglückter – Versuch eines effet réel. Authentizität sieht dann ungefähr so aus: «Waren Sie nervös?» «Sehr.» «Was haben Sie gefühlt?» «Viel Stolz.» «Wie war’s nach dem Schlusspfiff?» «Laut» (wehe, es ist einmal in einem Stadion laut – zack, gibt’s eine Sportlounge mit Experten).

Nachdem wir die Sendung, kaum hatte sie begonnen, ganz in der hiesigen Tradition schon abgeschrieben hatten, stieg dann der Unterhaltungswert doch noch an. Max Urscheler (den Kalauer mit dem «A» heben wir für später auf), Spielervermittler, mahnte uns irgendwie an Alfredo Traps, den Hauptakteur in Dürrenmatts «Panne», der als Generalvertreter umtriebig durch die Dörfer fährt (er muss sich ja nach einem bacchantischen Symposion wie in der Erzählung nicht gleich erhängen). Auf die Bemerkung hin, es brauche ihn, wie man sehe, nun wirklich überhaupt nicht, antwortete er so, wie alle Verkäufer in einem solchen Moment antworten: «Sie haben recht. Und genau deshalb braucht es eine gute Beratung.» (sprich: ihn). Der fromme Mensch, den Regula Späni enttarnte, keine Mutter Theresa zu sein (diese Schärfe hätten wir ihr nicht zugetraut), warnte vor Spielern im Bahnhof. Innerlich nickten wir ihm schon zu. Klar, die armen Burschen, am Bahnhof Basel, acht Uhr morgens, ein PrixGarantie-Bier in der Hand. Fürchterlich (er meinte allerdings «Spieler auf dem Abstellgleis», also Menschenmaterial, an denen er nichts verdient).

Kreidefresser: Mich braucht nichts, ergo berate ich sie.

Zum Glück sass da noch der Spielerentwickler der Grasshoppers, Markus Frei. Als nämlich die Frage auftauchte, was geschehe, wenn auf einmal die A-Mannschaften vom Kosovo und von Bosnien-Hercegovina Weltmeister würden wegen unseren (!) Schweizern (Josip Drmic aus Freienbach SZ, durfte nicht mit, weil sein Einbürgerungsgesuch abgelehnt worden war), meinte Frei, womöglich noch leicht berauscht von weltmeisterlichen Euphorie, da sei ihm so was von egal. Schliesslich kämen neue Jahrgänge, und alle diese Witsch-watsch-wutschs könnten sowieso nicht spielen. Ach, wären wir Schweizer doch immer so überheblich. Wir wären fast wie die Deutschen. Und könnten auch hier getrost parken statt parkieren schreiben. (L.T.)