•18. Juli 2009 • 1 Kommentar

T-Shirt

Sport Aktuell – Die Tränen von Steffi

•14. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 14. November 2009

Irgendwie nahm alles seinen gewohnten Gang. Ruhnke verliert zum fünften Mal in Serie. Hitzfeld spürt den Druck. Das SF versucht ulkig zu sein und vermarktet ein Null an Information (den Zusammenzug der Nati) mit einem Maximum an Doofheit.

Bis Steffi Buchli sich leicht in Richtung Kamera 1 wandte und vor dem graustufig abgesetzten Ueli Gegenschatz, dem sie noch vor wenigen Wochen in der Sendung «Live Fast – Die Young» schöne Augen gemacht hatte, die Nachricht dessen Todes verkündete. Die Kamera zoomte in, und das Strahlen der schönen Augen verschwand hinter einem bitteren Glanz schwerer Tränenflut.

SteffisTränen

Das letzte Mal, das wir im Fernsehen einen wahrhaftig ergriffenen Moderator sahen, war vor über zwanzig Jahren, wenn jeweils dem hier kürzlich gewürdigten Paul Spahn bei Nachrichten über hunderte gemordete Kinder die Stimme stockte. Irritiert über die Todesmeldung (die Verletzungen wurden als nicht gravierend rapporiert), waren wir erleichtert, dass nicht der Super-Walliser diese Nachricht verkünden durfte, sondern die schöne Steffi Buchli diesen schweren Gang gehen musste. Dass sie es in Würde und Ergriffenheit tat, adelt sie.

Ueli Gegenschatz stellt sich in eine Reihe mit all denen, die in Autodromen oder vereisten Steilhängen den Tod fanden. Der gemeine morgendliche Pendler mit seinem 20Minuten-Gesicht ist schockiert, aber, so Rilke, «denk: es erhält sich der Held, selbst der Untergang war ihm nur ein Vorwand zu sein: seine letzte Geburt.» Eingegangen ist er in die Welt, die wir nicht verstehen. So soll es sein, lehrte uns der sein Leben lang kranke und elend verstorbene Schiller:

Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Dass das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

ueligegenschatzAnd beyond it, the deep blue air, that shows
Nothing, and is nowhere, and is endless.

(L.T.)

Farbenpracht in Gelb und Rot

•13. November 2009 • 2 Kommentare

Kein Spiel des FC Basel ohne gelbe Karte, kein Spiel ohne Platzverweis. Der St. Jakob-Park entwickelt sich immer mehr zur farbenfrohen Arena. Nach den vielen Karten im Meisterschaftsspiel gegen den GC – auf Basler Seite waren es drei gelbe und eine rote Karte – stand auch der Spitzenkampf gegen Xamax im Zeichen der farbigen Kartons. Erneut flog ein Spieler des FC Basel vom Platz. Erneut holte sich ein Spieler eine unnötige gelbe Karte.

Was ist los beim FC Basel? Hat der Trainer Thorsten Fink, der zu recht über den grünen Klee, gelobt wird, ein Disziplinproblem mit seinen Spielern. Zu viele Heisssporne im Team? Natürlich, die Affiche Spitzenspiel, machte das Spiel besonders, natürlich herrschte im Stadion eine gereizte Stimmung, die durch das nervöse Publikum noch zusätzlich angeheizt wurde. Die Spieler dürften sich deshalb nicht anstecken lassen, die Provokationen ignorieren. Oft ist das mit eine Taktik, um den vermeintlich „übermächtigen“ Gegner aus dem Konzept zu bringen, ihn mit bewussten Mätzchen zu piesacken. Einziges Ziel: den Gegner mit unlauteren Methoden aus dem Konzept zu bringen.

Der Trainer ist gut beraten, dieses Problem in den Griff zu bekommen, seine Spieler in Geduld üben zu lassen, sich nicht von den Provokationen des Gegners zu Fall zu bringen. Er weiss es nur zu gut. Fehlen Schlüsselspieler in den entscheidenden Momenten, so gerät die Jagd um den Titel in Gefahr. Jetzt umso mehr. Jetzt da die Young Boys aus Bern wieder in Reichweite sind. Alex Frei und Behrang Safari werden gegen den Spitzenreiter fehlen. Zwei nicht unwichtige Figuren im Basler Gefüge. (P.D)

Sport Aktuell – Black Hawk Down

•13. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 12. November 2009

Grundsätzlich neigen wir zur Nüchternheit. Dasselbe erwarten wir auch vom SF. Die allabendliche Sendung, dieser zwanghafte Versuch helvetische Steifheit als knackiges oder schwülstiges Infotainment-Paket an die schweizerischen «Hüüsholt» zu schicken, könnte von uns aus wie ein Kommandorapport aufgebaut sein (nachts, im Regen). Offenbar definiert der vormals bärtige Urs Leutert, den man auch ohne Bart dem Publikum nicht mehr vorführen darf (das SF ist offiziell keine freakshow), die Zielgruppe des immerhin einzigen Schweizer Landessenders so, dass genau diejenigen Zuschauer aussen vor bleiben müssen, die die urtümlich schweizerische Eigenart der Unaufgeregtheit auch dann noch kultivieren, wenn Rainer H.M. vor lauter Zappelphilippigkeit kaum noch stillzuhalten vermag (er versucht es natürlich, worauf sich seine Miene derart verfinstert, dass man unweigerlich an «Armaggedon» denken muss).

Ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg. Punktum.

Wir leugnen nicht, dass nebst der reinen Resultateorientiertheit gerade in einer Sendung mit einem Anfang und einem Ende auch narrative Elemente einen Platz haben müssen (1977 hätte die Sendung den Charme eines DDR-Grenzpostens verströmt: Die TV-Legende Max Wolf mit einer Standardhornbrille aus dem Zeughaus verliest hinter einem spanplattenbraunen Pult die Resultate; «an der U17-WM in Nigeria schlägt die Schweiz im Halbfinal Kolumbien mit 4:0. Die Schweiz steht somit im Final. – Fechten: …») Auch wenn wir aufs hervorragendenste damit bedient wären, verstehen wir den Versuch, die Emotionalität, die einem Sportanlass per se innewohnt, darzustellen. Man mag nun kalauern, dass viele Wege nach Rom führen, und während die einen sie metaphorisch mit «Hamlet unter dem Kirschbaum» explizieren, greift das SF rein gewohnheitsmässig zur musikalischen Unterlegung. Verströmt die geflügelte Metaphorik den antiken und untrübbaren Glanz der Originalität, wirkt Letzteres oft nur noch platt (das liegt weniger am Sound/Image-Compositing als vielmehr an der Sterotypie am Leutschenbach: Bei Freestylesportarten greift das SF zur Stromgitarre, bei grossen Siegen zu Hymnischem, bei Rücktritten oder schmerzlichen Niederlagen zu irgendeinem Time-to-say-goodbye-Verschnitt).

Gestern war nun endlich wieder mal so ein Tag, und dem SF fiel nicht mehr ein, als zum Sendeschluss Aufnahmen der jubelnden Spieler der U17-Nati mit der Filmmusik aus Ridley Scotts «Gladiator» zu unterlegen.

GladiatorWas geschähe mit Urs Leutert, träfe er in der Arena auf ihn?

Das alles wäre nicht mehr als gähnende Gewohnheit, hätte nicht gleichzeitig das Bakom verlautet, alle (genau: alle!) müssten TV-Gebühren zahlen, speziell diejenigen, die gar keinen TV besitzen (oder die Sendungen wie wir bei unserer Freundin Wilmaa schauen). Abgesehen davon, dass die tumben Riesen Bakom und Uvek mit ihren Hohlköpfen den Verstaatlichungsunsinn langsam aber sicher in Kölliken neben der Autobahn deponieren könnten, fragten wir uns, ob das SF eigentlich selber auch Gebühren bezahlt und Rechte einholt, bevor es den Soundtrack von «Gladiator» einfach so benutzt. Uns mit Billag-Werbung zu drohen, Gebühren für «Happy Day» und «G+G» zwangsmässig einzuziehen, ist das eine. Das andere, Urheber von verwendeter Musik auch zu entschädigen. Wir können uns, aller Einbildungskraft zum Trotz, nicht vorstellen, dass Hans Zimmer je einen roten Rappen für den gestrigen Beitrag erhält. Hans Zimmer? Hans Zimmer, Komponist: «Black Hawk Down». «Gladiator». «Madagascar». «Pirates of the Carribean». «Aramageddon». Bei Fragen, kann sich Urs Leuter hier melden: hans.zimmer@hollywood.com.

P.S.Worin besteht der Unterschied zwischen der Produktion des Schweizer Fernsehens mit Rainer H.M. von gestern abend und der zweiten und dritten Senderkette der SRG (TSR und TSI)? Beim zweiten und dritten braucht es keine Fremdsprachenkenntnisse. (L.T.)

Sport Aktuell – GC-Schweine!

•12. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 11. November 2009

Wir haben uns an dieser Stelle schon einige Mal gerieben an der nicht über alle Zweifel erhabenen Fan-Kultur in den hiesigen Stadien (damit meinen wir natürlich nicht den properen Unsinn, den nun ein Klaus Zaugg im «20 Minuten» publizieren darf; seine Feststellungen sind ja auch nur soviel wert, wie diese Zeitung kostet). Die vom Schweizer Fernsehen wöchentlich gerühmte Muttenzer Kurve des langweiligen FC Basel bringt es bekanntlich auf nicht viel mehr, als auf ein sechzigminütiges «emmech wytech se-hen-ge» (für den unbedeutenden und zu vernachlässigenden Rest der Welt: Immer weiter singen). Weniger verfänglich aber nicht minder unoriginell in dieser unvollständigen Aufzählung: «Ho-ho-hopp Lozärn» (irgendwo zwischen vorgestrig und bigott) oder «Aus-aus-Auswärtssieg» (erinnert irgendwie alles ein wenig an die DDR mit dem wohl originellsten aller Schlachtrufe: «Neun-zehn-Klasse!!», wobei uns bis heute nicht klar ist, ob dem «Klasse» ein subversiver Ton anhaftete; immerhin wollte die DDR bekanntlich klassenlos sein, bleiben oder – werden).

Nachdem wir hier erst kürzlich über den Wert von Grenzen und deren Überschreitung debattiert haben, lohnt sich auch in diesem Fall die Grenzüberschreitung. Im sogenannten Ausland (wo die Schweiz, während Jahrzehnten vergeblich den «Aus-aus-Auswärtssieg!» suchte), findet man, nebst viel Einfalt, auch viele Perlen, und es ist gewiss kein Zufall, dass auch das hier stellvertretende Beispiel von der Insel kommt (zu finden auf dem täglich lesenswerten Blog «knappdaneben»).

Gewiss, nicht jeder Fan-Gesang kann das Herz rühren. Immerhin wird auf dem pitch ein Kampf ausgetragen, und uns ist nicht bewusst, dass die Schlachtenbummler, die im 17. und 18. Jahrhundert mitsamt den Marketenderinnen den Heeren der Habsburger und Franzosen durch halb Europa nachgetingelt sind, ein gut dressiertes Grüppchen von Traurigkeit gewesen wären. Hinzu kommt der Umstand, dass diejenigen, die «Aus-aus-Auswärtssieg» skandieren, im Haus des Gegners stehen. Wer da nur lauwarmen Applaus von Hartschalen-Sitzplätzen, abgeschirmt von schlagbereiter Polizei erwartet, verwechselt ganz einfach Kultur mit Zivilisation (respektive hat von diesem Unterschied keine blassen Schimmer).

Nebst dem Umstand, dass wir, immerhin eine zivilisatorische Errungenschaft, das Abbrennen von Feuerwerk im Stadion für einen der optisch schönsten Ausdrücke aus der Kurve schätzen, müssen wir auch den Verbalinjurien das Wort reden (wer jemals schon einen Abstiegskampf von der Rampe aus miterlebt hat, und zehn Minuten vor Ende der Partie in der allerletzten Runde erlebte, wie in der Kurve die Fackeln gezündet wurden, weil in der Urzeit der Mobiltelekommunikation einer, einer die erlösende Nachricht von einem anderen Platz erhalten hat, wird sich vom herzerwärmenden Anblick der Pyros nie, nie mehr lösen können). Im Bereich der erwähnten Schimpfwörter ist das Stadion ja gewissermassen ein rechtsfreier verbaler Raum (wie gerne wären wir im Zug schon aufgestanden und hätten dem Kondukteur mit seiner Velophobie einen Schlachtruf um seine SBB-Birne gedonnert). Was bei den Staatsbahnen unmöglich, ist im Stadion – eine Frage der Ehre – Pflicht. Früh sozialisiert, war uns von Anfang an klar, dass es nur einen Todfeind geben konnte: derjenige vom Zürcher Hardturm. Dieses blau-weisse Unkraut war gleichsam die mit Geld gezüchtete Pest aus dem Golküstengärtchen von Karl Oberholzer. Wir kannten den Unterschied zwischen Kultur und Zivilisation noch nicht und konnten knapp unsere Namen schreiben, da wussten wir schon mehr, als unser zukünftiger Biologie-Lehrer an der Kanti. Wir kannten nämlich eine ihm unbekannte Spezies: Die GC-Schweine. Und so skandierten wir, Lichtjahre vom Stimmbruch entfernt, fröhlich und unbedarft «Wir wollen keine GC-Schweine!». Was damals fröhlich und später alltäglich war, ist heute, im Rückblick, visionär. Natürlich erkannte Steffi Buchli, ungefähr so unbedarft wie wir Buben damals in der Primarschule, diesen Zusammenhang nicht, als am Ende der Sendung in den Sportnews die Nachricht unser Fussball-Ganglion erreichte, Ricci Cabanas, GC-Aushängeschild und gescheiterter Beinahe-Söldner im französischen Norden, leide an der Schweinegrippe. Uns erstaunte diese Nachricht überhaupt nicht. An was für einer anderen Grippe als der Schweinegrippe sollte den einer vom GC schon erkrankt sein? (L.T.)

Rici CabanasNur eines von vielen!

(Auch Andy Egli oder Henne Hermann, ja gar Günther Netzer waren es)

Sportlounge – Kiffen oder rennen

•10. November 2009 • Kommentar schreiben

Sportlounge – Kiffen oder rennen

Es gibt vielerlei Grenzen im Leben, auf der Welt. Die einen gelten als gut, die anderen als Grenzen des Bösen. Die Schweizer Grenze wird von den Hiesigen naturgemäss als etwas ungemein Positives wahrgenommen (immerhin sind wir eine Insel umgeben von Land), ganz im Gegensatz zur innerdeutschen Grenze (die sich bis ‘89 ganz real durchs ganze Land, Berliner Mauer inklusive, zog). Wenigstens sind wir heute soweit, dass wir vor allem fallende Grenzen positiv bewerten.

Mehr noch als reale Landesgrenzen beschäftigen uns aber innere Grenzen, die wir ganz real überschreiten können. Doch wie wir auch die bipolare Welt als einfacher in Erinnerung haben als wir heute die multilaterale wahrnehmen, so gilt auch für den real existierenden Alltag, dass eine in Schwarz und Weiss geteilte Welt bedeutend einfacher zu verstehen ist als heterogene Realitäten (notabene vor allem dann, wenn man auf der Seite der imaginären Mehrheit steht).

Im Grunde genommen interessierte uns daher Steffi Buchlis mit verheissungsvollem Strahlen in den Augen gestellte Frage überhaupt nicht, warum jemand einen Marathon läuft und dabei leidet (genauso gut könnte man die Frage stellen, warum so viele Menschen heiraten, gilt doch die Ehe als Mutterkuchen des kohabitativen Streits). Wer läuft, leidet. Man mag das nun positiv bewerten oder als absurd hinstellen (und wir, die bizyklären Bezwinger des Riesen der Provence, hüten uns vor verbrannter Erde). An dieser Stelle die montägliche Zusammenfassung der Sendung in einem Satz: Wer Marathon läuft, leidet, die einen mehr, die anderen weniger, und wer ganz fest leidet, überschreitet eine Grenze, und wer dann noch weiter läuft, bekommt ein «runners high». Natürlich kann so etwas niemanden interessieren (und woher diese Quotenwalliser-Marathonläuferin kam, wollen wir gar nicht wissen).

Gaby Andersen-SchiessOlympische Spiele, L.A. 1984: Gaby Andersen-Schiess (CH) im Runners High

Etwas ganz Anderes würde uns viel mehr interessieren. Wer Marathon läuft, erhält offenbar einen Kick. Und antwortet per Nachfrage mit dem Standardsatz: «Es geht um das Überwinden eigener Grenzen.» Nur, diesen Kick erhalten auch ganz andere Teilnehmer an Sportveranstaltungen, zum Beispiel die Fans in der Kurve, und zwar einfach durch den erzeugten Druck, lange, lange vor irgendeiner gewalttätigen Auseinandersetzung mit der gegnerischen Kurve. Die Begründung für einen Marathonlauf lautete gestern in Steffis Lounge, in unserer properen Welt mit unseren kalkulierbaren Existenzen gehe es vor allem darum, derartige (Grenz-)Erlebnisse zu haben. Warum die Suche nach dem Kick mittels Erlebnis ausgerechnet beim Martahonlauf gut, aber in der Fankurve schlecht sein soll, wurde nicht diskutiert. Eine solche Diskussion würde wenigstens ihren Namen verdienen und wäre dann ja auch ein wenig kontroverser, wie wenn der nach allen Seiten faltbare Pappkamerad Frank Baumann ob seinem Mütchen, das Wort «hirnverbrannt» in einer Sendung des Schweizer Fernsehens zu sagen, in die Runde grinst. (L.T.)

Sport Aktuell – Sauft’s weiter!

•7. November 2009 • 1 Kommentar

Sendung vom 6. November 2009

Journalismus, hofften wir bis dato, sei ein Cocktail aus Reflexion, Kommentar und Aktualität. Irgendeinmal kam ein Langweiler in einem Anzug ab der Stange daher (max 499 CHF) und behauptete, Journalismus müsse waha-ha-ha, wahr sein. Irgendwann einigten sich die Vertreter aller Standardsätze dieser Welt auf die Formel, Journalismus müsse neutral sein (dafür braucht’s in der Schweiz die UBI und Peter Studer, beides sehr neutrale und, weil deren Nützlichkeit gegen Null tendiert, unendlich teure Institutionen). Für das Schweizer Fernsehen hat weder das eine noch das andere Gültigkeit. Dort ist Journalismus einfach gleichgültig.

Nachdem Regula Späni die Sportnews völlig neutral, also gleichgültig an sich vorbeiziehen liess, hörten wir die interessanteste Nachricht des Tage: Die Klubleitung des CSKA Sofia massregelte Lubo Penev, den Trainer, für seine Sanktionen gegen die über die Hutschnur schlagende Säuferfraktion aus seiner Mannschaft (immerhin alles Internationale, also durchwegs keine Spieler aus Pappe). Bekanntlicherweise muss eine Hotelbelegschaft vor der Ankunft von Mannschaften aus dem ehemaligen Ostblock die Minibars in den reservierten Hotelzimmern mit destilliertem Wasser auffüllen. Das hielt die fünf Sündenböcke nicht ab, ihren gewaltigen bulgarischen Durst am Vorabend des Spiels am Barfi in der Rio-Bar zu löschen (Die Ostblöckler schauen bloss immer so traurig in die Welt, aber hinter dem Wodkadeckel sind das wahre Frohnaturen). Ebenfalls kein Kind von Traurigkeit war die Trainerlegende Max Merkel, und auch er kannte die Gefahren des Alkohols im Sport: «Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die Anti-Alkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da habe ich gesagt: Sauft’s weiter!».

max merkel coaches fc zurich4.jpgKannte die prozentualen Vorteil von Alkoholika auf dem Fussballplatz

Dieser Kelch ging am «Liebhaber der Slawen» (lies. Luboslav) Penev vorbei. Und natürlich auch an der koscheren Regula. Wir erwarten daher, dass die UBI am Montag eine Sportlounge zum Thema «Alkoholika im Hochleistungsport» einfordert (den Marathongugus kann man am Nachmittag an Stelle von Sven Epinards Läckmiramarsch-Quiz senden). Gäste auf der Gegnerseite: Karin Keller-Sutter und Ralph Sloczetcetera. Auf der Befürworterseite Urs «Bacardi» Güntensperger und Pierre Benoît, angeblicher Kommunikationsfachmann beim Schweizerischen Fussballverband (Moderation: Hans Jucker). (L.T.)

Pierre BenoitVersteht die Aufregung nicht, die um Rotwein im Fussball gemacht wird

Fussball – Mythos «Rampe»

•6. November 2009 • Kommentar schreiben

Zu jedem Mysterium gibt es wenigstens eine Erklärung. Diese mag nicht immer ganz taufrisch sein. Als man im Neolithikum des Fussballs die Frage an Sepp Herberger richtete, weshalb einer zum Fussball gehe, meinte er: «Weil man nicht weiss, wie’s ausgeht.» Zugegeben: dieser Ansatz stimmt für die Schweiz nicht mehr zu hundert Prozent. Zu den Spielen des FC Basel pilgern die Fans, weil sie überzeugt sind, Basel könne nur gewinnen (Ein Irrtum, wie läppische drei Meistertitel in fünfundzwanzig Jahren belegen). Zu denjenigen des FC Aarau, weil sie glauben, mehr als verlieren können sie auch nicht mehr (was mindestens ebenso falsch ist wie die notorische Selbstüberschätzung am Rande des Elsass).

Wir hingegen gehen weder Sepp Herberger noch des langweiligen FC Basels wegen. Wir gehen zum Spiel wegen eines Lebensgefühls (Lebensgefühl hat so wenig mit Lifestyle zu tun wie die Modefans aus Zürich und Basel mit Fussball). Das Lebensgefühl «Spieltag» beginnt traditionellerweise am Mittwoch vormittag. Der vergangene Spieltag ist abgehakt. Der Blick hat dicke Schlagzeilen parat («Haki: Ich bin bereit!» / «Schällibaum: Siegen oder es schället»). Der Ärger, der Kater und der Wochenende für Wochenende programmierte Familienstreit sind verraucht. Womöglich hängen wir den Mittwoch nachmittag im Büro beim Surfen ab. Irgend eine Seite im Stil von www.alle-resutate.org. Und erfahren, dass Chênois im März ‘63 tatsächlich gegen Lausanne gewonnen hat (Schiedsrichter Demirêle, 9′800 Zuschauer auf der Pontaise). Um die Vorfreude nicht zu trüben, schalten wir am Abend nicht das Schweizer Fernsehen ein (Wir brauchen weder eine Overdose an Lifesport noch einen Quotenwalliser). Das Lebensgefühl verlängert sich am Donnerstag morgen (keine Zeit, sagen wir irgend einem Abteilungsfuzzi und nuscheln etwas in unseren Bart): Den restlichen Morgen privates Mailen (Re:Re:Re:Re:Re: Wer kommt am Samstag an den Match). Austausch der Vorletzten News. Donnerstag Abend: Metzgerkotlett mit fünf Stangen (ja, auch Fritten) und Fachsimpelei, warum Aquaro zu langsam ist gegen Vonlanten (merke wohl: man kann die Namen Aquaro und Vonlanthen durch beliebige Spielernamen ersetzen; man beachte einfach die Positionen der Spieler). Freitag morgen mit pelziger Zunge und Superlaune unter der Dusche (bis kurz vor halb elf; also: die gute Laune). Den Rest des Tages mit schlechter Laune im Büro abtauchen (nichts tun und gut aussehen dabei). Langer Hintergrundbericht in der NZZ über den Assistenztrainer von Bellinzona. Vorschlafen für den Abend. Ausgang (easy, vor dem Spieltag nie zu lang). Samstag. Spieltag. Samstagspresse, Vorschau auf die Spiele. Informatikerkaffee auf dem Küchentisch, tief über die Tabelle gebeugt Aufrufe von ebenfalls gegenwärtigen Frauen und anderen Mitbewohnern kaltschnäuzig ignorieren (Flohmärkte, Wochenmärkte, Einkäufe, Freundinnen besuchen – in einem Wort: Vaffanculo!) Anpfiff 17.45 (Ralph Slozcetcetera hoffte in seiner potenzierten Weltfremdheit, auf diese Art eine familienfreundliche Anspielzeit einzuführen: Mehr Zeit für die Frau nach dem Spiel. Irrtum. Mehr Zeit nach dem Spiel für die dritte Halbzeit). Ab fünfzehn Uhr langsam Richtung Stadion pilgern. In der Stammkneipe die alten Gesichter von der Rampe treffen. Einstimmen. Sammelbestellung aufgeben. Sechs Mal Stehplatz (Saisonkartenbesitzer holen derweil die nächste Runde). Illusionen mit dem dritten Becher abtöten. Sich aufregen über den Pöbel des Gegners. Dem Gegner Respekt zollen. An der Rampe entlang schlendern. Alte Gesichter lässig mit erhobenem Bierbecher grüssen. Den Stadionspeaker (in der Schweiz alles Softies) auslachen, wenn er wegen eines angeblichen Hochrisikospiels ein Alkoholverbot bekannt gibt. Anpfiff. Sich fragen, warum die eigene Kurve nicht mehr Druck macht. Sich über den gegnerischen Pöbel aufregen. Den Zehner über den grünen Klee loben. Gegnerische Spieler anpöbeln (in modernen Stadien ist der Fan nahe am Pitch). Bier holen. Auf der Rampe über Dinge reden, die nicht zum Spiel gehören. Bierdusche und Torjubel. Schiri huergopfertammisiech (endlich ist der Druck weg). Die Tribüne kocht. Kalte Füsse. Abpfiff. Beiz. Grosse Flasche Bier. Dritte Halbzeit. (L.T.)

Sport Live – Gress, der Hooligan-Fan

•4. November 2009 • 1 Kommentar

Livesendung aus Marseille, 3.11.09

Auch in der heutigen Welt sind die Privilegien noch nicht gänzlich ausgestorben (und Frankreich das letzte Land, das diese noch kultiviert). Wenig verwunderlich, dass Privilegien im Dutzend verteilt werden, sobald das SF nach Westen zieht wie weiland die Helvetier. Doch während letztere bei Bibracte quasi ihr Waterloo erlebten (gewiss, ein historisch nicht durchwegs gerader Kalauer), entziehen sich sogenannte Verantwortungsträger vom Leutschenbach ihrer Pflicht, die wir hier stellvertretend auf unsere Schultern laden müssen. Während wir hier nämlich bis eine halbe Stunde vor Mitternacht Pius Valier und der sehr schönen Karin Keller-Sutter zuhören mussten, warum Fussball nur noch möglich ist, wenn die Fans ausgesperrt oder die Stadien in Hochsicherheitsgefängisse verwandelt werden, weilte das bumsfidele Trio Gilbert, Andi und Rainer (nicht zu verwechseln mit Rainier, dem Fürsten von Monaco) bereits in Marseille (wo sich Rainer H.M. nach dem zweiten Roten schon ein wenig wie der König von Marseille fühlte). Als wir von Karin Keller-Sutter vernehmen mussten, dass der Spieltage wegen bereits jedes Wochenende (jedes!) polizeimässig ein komplettes WEF stattfinde, delektierte sich Rainer H.M. an marktfrischen Moules (und Gilbert Gress schwadronierte von früher). Und während im Studio die Stimmung gegen den Nullpunkt tendierte, schwärmte die Crew vom SF in Marseille bereits von der «unglaublichen Stimmung» im Stade Velodrome.

stade-velodrome-mars_84158Stade Velodrome: Von solcher Stimmung träumt das SF – ausser in der Sportlounge

Kurz vor dem Spiel. Der «Ui-ui-ui»-Wyler sass bereits auf der Tribüne, als Rainer H.M. mit Andi und Gilbert am Spielfeldrand stand und komplett euphorisiert nicht müde wurde, auf die wahnsinnige Stimmung, diese komplett fanatisierten Fans hinzuweisen. Und seine Augen leuchteten. Sukkurs erfuhr er von Dani Langwyler, der kaum warten konnte, bis er uns endlich, endlich! die Bombenstimmung zeigen konnte, als Gilbert Gress mit Söldneraugen von seinen schönsten Jahren im Fussball erzählte. Nein, nicht als Trainer bei Xamax, als er Real Madrid besiegte. Gilbert Gress’ schönste Jahre waren bei Marseille. Ja, genau, als die Mannschaft jeweils mindestens eine Stunde in der Kabine verharren mussten, weil draussen eine Horde wildgewordener OM-Fans mit Rotwein und Fäusten auf die Spieler wartete. Rainer H.M. strahlte: Das ist eben noch Leidenschaft! (die Wyler und Konsorten komischerweise nach 17 Spielminuten auf einmal nicht mehr interessierte).

P.S. Als Vertreter des Fairplay fordern wir eine Wiederholung der Sportlounge. Auf der einen Seite Karin Keller-Sutter und der Projektleiter «Sicherheit im Sport» Pius Valier. Auf der Gegenseite Gilbert Gress und Andi Egli. Moderation: Rainer Maria. Thema: Warum Fussball nur lebt, wenn der Kessel kocht.

(Morgen an dieser Stelle: «Warum wir zum Fussball gehen»). L.T.

Schlechte Zeiten – gute Zeiten

•4. November 2009 • Kommentar schreiben

Es war ein harter Aufprall für den FC Zürich gestern im Stade Vélodrome zu Marseille. Schade eigentlich. Das Champions League-Märchen hätte wahrlich ein wenig länger dauern dürfen. Für das Publikum, das sich vor allem nach dem Auswärtserfolg in Mailand sich der Illusion hin gegeben hat, mit den Grossen aus Europa mithalten zu können. Dem Verein hätten die zusätzlichen Finanzen im „Kässeli“ gut getan, und nicht zuletzt sportlich. In der Champions League sammelt nicht nur jeder einzelner Spieler Erfahrung, sondern auch die Mannschaft als Einheit. Mit dem gestrigen Resultat aber, sind für den Verein an der Limmat alle Träume ausgeträumt. Schade aus der Märchenperspektive.

Aber der harte Aufprall, die Rückkehr in die Realität des Schweizer Fussballs hat auch seine guten Seiten. Vorab für die Spieler selbst. Die Doppelbelastung ist enorm. Die Spiele in der Champions League fordern unheimlich. Physisch und psychisch. Das sind sich die Schweizer Spieler einfach nicht gewohnt. Konstant auf einem hohen Niveau zu spielen. Auch reicht das Kader eines Vereines in aller Regel nicht aus, um auf Schlüsselspieler verzichten zu können. Die einzig logische Folge für die Spieler: Leistungsabbau und Erhöhung der Verletzungsgefahr.

Auch für den Verein und seinem Trainerstab hat die gestrige Niederlage seine guten Seiten. Der Verein kann die Rückrunde ohne europäischen Einsatz planen. Er wird nicht durch Nebenschauplätzen abgelenkt sein, sondern die Vereinsleitung kann sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist. Die Rückrunde der Schweizer Meisterschaft, die nicht gänzlich abgeschrieben sein dürfte. Auch nicht die Qualifikation für einen der zwei europäischen Wettbewerbe. Auf die Rückrunde mit einem erneuerten und fitten FC Zürich darf man gespannt sein. So gesehen kommt die Niederlage in Marseille zur rechten Zeit. (P.D.)

Sportlounge – Fackeln im Sturm

•3. November 2009 • Kommentar schreiben

Sendung vom 2. November 09

Die hiesige Fankultur, wir hatten es bereits geklagt, ist etwas vom Einfallslosesten, das es gibt. Mit Ausnahme der aufwändig gebastelten Choreos zu Spielbeginn. Womöglich ist aber die Gleichsetzung von Fankultur und einfallslos ebenso ein Pleonasmus wie wenn wir hier vom biederen SF reden. Wir könnten uns hier nun seitenlang über ausufernde Themen auslassen: Warum in einer saubergeleckten Welt, in der alles möglich, aber nichts mehr erlaubt ist, Stadien zu Tummelplätzen für Grenzüberschreitungen werden. Warum die Kultur der Spott- oder Hassverse wenigstens so alt ist wie die deutschen Landsknechte, die den Schweizern enntet des Rheins «Kuhschweizer» zuriefen (womit nicht gemeint war, dass die Schweizer Kühe hüteten, wohlgemerkt). Warum das deutsche Wort Schlachtenbummler den Zuschauer aus der Kurve exakt beschreibt, mit dem Unterschied, dass auf dem Platz mittlerweile ein Stellvertreterkrieg mit friedlichem Muster ausgetragen wird. Oder warum der fanatic, neudeutsch Fan, nicht harmloser sein kann als irgendein hirngewaschener Pakistani, der für die Atombombe demonstriert. Könnten wir. Tun wir aber nicht. Stattdessen machen wir das, was wir dem SF zu oft schon vorgeworfen haben. Wir servieren etwas aus der Dose. Entschiedenheit hat bekanntlich kein Verfallsdatum. (L.T.)

Sitz! Platz! (aus: Aargauer Zeitung, 4. Juli 09)

Die Allmend Brunau am Rand von Zürich ist so konturlos wie sonst nur ausgestecktes Bauland. Dennoch prägen zwei Merkmale diesen abseitigen Flecken Erde. Oft schon im Morgengrauen wird die Ruhe der Allmend von Gebell und einem hitzigen Staccato aus «Sitz!»-«Platz!»-Rufen zerrissen. Ganz in der Nähe dieses akustischen Quodlibets traben lockeren Fusses die Profis des FCZ. Die Gelassenheit des Schweizer Meisters konterkariert die hektischen Befehle, auch wenn diese nicht bis an die Ohren der Spieler dringen. Zumal ein Grossteil der Meistertruppe mit der Sprache Molières aufgewachsen ist. «Sitz!», «Platz!» klingt in ihren Ohren so sinnentleert wie umgekehrt gradins. Vielleicht gerade weil es das Gegenteil bedeutet. «Gradins» werden in Westschweizer Stadien die Stehplätze genannt. Ebenso heftig wie um Punkte wird im Schweizer Fussball immer wieder um die Stehplätze gerungen.

Worte haben ihre Geschichte. Der Zeitgeist verändert vieles, auch Worte. «Stehplatz» ist so ein Wort und bezeichnete einst nichts weiter als einen Bezahlort, von dem aus man stehenden Fusses einem Spektakel beiwohnen konnte. Heute jedoch löst das Wort «Stehplatz» ähnlich mulmige Gefühle aus wie «Schweinegrippe». Die zufällige Gemeinsamkeit liegt darin, dass zwar kaum jemand davon betroffen ist, sich darob aber dennoch eine diffuse Furcht verbreitet. Keiner spricht dabei über Stehplätze mit so ernsten Mienen wie die etatistischen Meinungsmacher vom Leutschenbach. Denn die Fangewalt kennt offenbar nur einen Wirt: den Stehplatz! Von der angeblichen Ursache bis zur Dämonisierung ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Diese Verteufelung wird angeführt vom scheinbar inoffiziellen Mediensprecher des Fifakönigs, dessen Landsmann und Dialektknappen Rainer Maria S. Wer soll gegen solche Hors-Sol-Meinungspenetranz auftreten? Immerhin steht auf den mit Gebühren finanzierten Plakaten in Buchstaben so hell und rot wie Blut «idée suisse», als ob die Chefideologen die Rechte auf «swissness» gepachtet hätten. Der Ausgang der volksfinanzierten Fussballsendungen bleibt absehbar wie das Amen in der Kirche: Nach jeder Pyroshow pilgert das gutmütige SF zum grossen Jospeh S., um dessen stereotypisches Votum kontra Stehplätze einzuholen. Keiner käme auf die schlichte Idee, einmal nur einen gewöhnlichen Stehplatz-Zuschauer zu fragen, warum man einem Fussballspiel auch von der Rampe aus ganz angenehm beiwohnen kann. Die Meinung ist gemacht: Stehplätze sind wie Schweinegrippeviren und deshalb auszurotten.

Eine Lüge wird auch durch stete Wiederholung nicht wahrer. Die nur durch Sitzplätze zu erreichende Gewaltlosigkeit gehört in diese Lügenkategorie. Das letzte Spiel der Kontrahenten FCZ und FCB beweist, wie wenig Sitzplätze und Sicherheit zusammenhängen. Aufmerksame Beobachter haben nur Chaoten gesehen, aber keine Stehplätze. Petardenwürfe, ja, aber von Sitzplatz zu Sitzplatz. Trotz Sitzplätzen kam es schon im Letzigrund zu Gewalttätigkeiten. Dennoch forderte der Allmächtige vom Sonnenberg am selbigen Abend einmal mehr lauter Sitzplatzarenen. Absurder ist nur der TV-Mann vom SF, der diese verbale Absurdität nicht ansatzweise in Frage stellte.

Das Problem der Gewalt kann durch Sitzplätze nicht gelöst werden, und dort liegt der Hund begraben: Es geht nur vordergründig um die Verhinderung von Gewalt. Die Oberen des Fussballs wollen: Geld. Und Ruhe will eine Bevölkerung, die nichts so sehr fürchtet als das nackte Chaos, das vom SF in Fussballstadien gefunden und wohnzimmergerecht aufbereitet wird. Für solch eingeschüchterte Bürger sind dann nicht nur Chaoten, sondern alle Stehplatzbesucher ein dankbares Opfer.

Damit spielt sich der schlaue Joseph S.mit seiner Forderung nach Sitzplätzen gekonnt als Volksfreund auf. Hinter solcher Gockelei verbirgt sich aber die längst nicht mehr heimliche Triebfeder nicht nur der FIFA, sondern aller Clubs: Geld. Zwar ist der Unterhalt einer modernen Sitzplatzarena insgesamt teurer, aber dank höherer Eintrittspreise bleiben Sitzplätze allemal ein lukratives Geschäft. Insbesondere, weil diese Stadien in vielen Fällen auf öffentlichem Grund stehen und von der öffentlichen Hand wenigstens mitfinanziert werden. Nur ein Tor könnte solch ein präsidiales Plazet pro Sitzplätze verargen. Ein «Ja» an der Urne ist damit programmiert, denn nach über zehnjähriger Indoktrination durch FIFA und das SF glaubt auch der letzte Stimmbürger den Unsinn, der über Stehplätze verbreitet wird.

Zürich will seit Jahren ein zweites Stadion bauen. Das neueste Stadionprojekt ist zwar kleiner, aber auch nur mit Sitzplätzen und einem geheizten Fernsehstudio geplant, damit Matthias H.s Permafröhlichkeit in der nächtlichen Novemberkälte nicht einfriert. Statt des Hardturm-Areals käme als Standort zwar auch die Allmend Brunau in Frage. Ob dann die ruhebedürftigen Hündeler aber immer noch so laut «Sitz!», «Platz!», schreien würden, muss ernsthaft bezweifelt werden. (L.T.)

Keller_KarinDas schönste Gesicht im Schweizer Fussball (mit Fingernägeln aus Stahl)