Super League – Runde 1 – Ein Vogel auf der Tribüne
1. Spieltag
Uli Forte, Trainer des FCSG ist ein Mann, der dafür bekannt ist, seine Spieler auf den Punkt genau heiss zu machen. Das hat er in der vergangenen Saison bereits im Cupspiel gegen den FC Aarau bewiesen. Damals hatten St. Galler Chaoten den Mannschaftsbus des Gegners abgefangen. Die Mannschaft kam eine Dreiviertelstunde verspätet ins Stadion, und auf Ryszard Komornickis Anfrage, ob Uli Forte den Anpfiff um dreissig Minuten verschieben möchte, kam ein schnoddriges Nein des Novizen gegen den Polnischen Alt-Internationalen, der nicht umsonst der «Karajan aus Polen» genannt wurde. Nein? Nein, er habe die Mannschaft auf den Punkt genau heiss gemacht; da könne man nicht einfach so den Anpfiff verschieben.
Gegen den FC Basel war das aber auch gar nicht nötig. Erstens wurde der Bus der Bebbi nicht bedrängt, und zweitens reichte gegen einen indisponierten FCB auch eine lauwarme Betriebstemperatur. Nicht frei von einem kleinen bisschen Neid schielt man in die Ostschweiz: Mario Frick, heiss auf den Ball (wohl auch ohne Uli Forte) verspürte einen Tordrang, wie man ihn selten bei einem hiesigen Stürmer sieht (auch wenn er ja bekanntlich Alt-Habsburger ist). Vielleicht sollten sich die Streller-Buben davon ein Scheibchen abschneiden. Benni Huggel indes übte sich in seiner in Istanbul gelernten Paradedisziplin. Dafür gab es Rot, und für den St. Galler ein blaues Auge. So hinterliessen die Basler also doch noch ihre Spuren im grün-weissen Land.
Rot sah auch der Bellinzona-Trainer Schällibaum. Und zwar gleich doppelt: Zuerst stand angesicht der durchzogenen Leistung der «Granata» sein puterrotes Gesicht kurz vor dem Platzen. Danach wurde er vom Arbiter, der Unflätigkeit überführt, auf die Tribüne verbannt. Mehr als eine Wasserstandmeldung war das Tessin diesmal nicht wert (vor ein paar Wochen konnte immerhin der Meistertitel des FCZ aus dem Ticino verkündet werden).
Der FC Aarau wird fälschlicherweise FC Wunder(tüte) genannt, dabei ist er die Mannschaft mit der zweitlängsten Verweildauer in der obersten Spielklasse. Ob als Meister oder am Grünen Tisch ist dabei irrelevant. Transferverlierer wurde die Mannschaft vor dem Anpfiff gescholten. Ein Titel von nicht halb so zweifelhaftem Ruf wie derjenige des Transfersiegers. Vor einer Spielzeit wurde der FC Luzern als solcher gewürdigt. Die Geschichte ist bekannt.
Und die Hoppers? Die grösste Überraschung war auf den Rängen auszumachen, denn woher GC auf einmal so viele Fans hatte, war selbst Insidern nicht zu entlocken. Einer der Insider sass übrigens in Aarau auf der Tribüne. Ottmar Hitzfeld? Der auch. Die Rede ist von Erich Vogel und er sagte für einmal nichts. Die Meinungen zum Spiel sind geteilt: War GC so schwach, oder der FC Aarau so gut?
Geteilt sind die Meinungen auch über die Anspielzeiten. Ein Tor wer glaubt, das Gericht würde attraktiver, wenn man es portionenweise serviert. Fussball hat heute mit Freizeit- und Familienplanung zu tun. Klare Anspielzeiten sind positiv für die Leute, die ins Stadion pilgern. Samstags um 18.00 Uhr und Sonntags um 16.00 Uhr. Aber offenbar mag das Fernsehen dies nicht, genauso wenig wie die Klubs. Es fliesst einfach mehr Geld, wenn der FCZ exklusiv gegen YB spielt. In den Ohren eines Funktionärs oder eines Event-Fans mag das wie Musik klingen. In den Augen des Fans geht so das Spiel vor die Hunde. Die Zuschauerzahlen werden, nicht bei Spitzenspielen, aber übers ganze gesehen, abnehmen. Fussball vor immer leereren Rängen? Opportunisten verweisen auf die Gesamtzuschauerzahl. Die mag für den Sportchef von SF und vereinzelte Klubpräsidenten wichtig sein, aber nicht für den Sport. Die Liga wird an Attraktivität einbüssen. Genauso wie eine Beiz früher oder später dicht macht, bei der man nie weiss, ob sie gerade geöffnet ist. In einem Jahr wissen wir mehr. (L.T.)


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