Sportlounge – Live fast, die young!
Sendung vom 26. Oktober 2009
Denke ich an meine unendliche Fernsehsportlaufbahn zurück, reiht sich Höllenbild an Höllenbild (ich meine damit nicht den Moment, als ich – gefühlsmässig geschätzt – im November 1884 (richtig gelesen, achtzehnhundertxy) Matthias Hüppi zum ersten Mal erblickt habe. Eine meiner frühesten und prägendsten Jugenderinnerungen sind die Formel1-Rennen, die mein Vater jeweils mit einem Auge (das andere schlief) an sich vorbeiziehen liess. Schon noch krass, wenn ein Kind den total verbrannten Niki Lauda in seinem verkohlten Ferrari brennen sieht (den Helm, weiss ich noch ganz genau, hatte es ihm von der Birne gepfeffert). Einige Jahre später, im WM-Jahr 1982, führte ein Missverständnis zwischen Jochen Mass und Gilles Villeneuve zum Tod des Kanadiers. Das SF, damals noch Schweizer Fernsehen DRS und dem Service Public von Bundesrat Schlumpf verpflichtet, zeigte, moderiert von Heinz Pütz, sechsmal in Super-Slomo wie Villeneuve mit Tempo 200 aus seinem Wrack gerissen und an einen Zaun geschleudert wurde. Im selben Jahr übrigens stiess – unglücklicher- und unbeabsichtigterweise – ein deutscher Fechter im bieder-bigotten Tauberbischoffsheim dem Sowjetrussen Vladimir Smirnov (der hiess tatsächlich so) den abgebrochenen Degen durch die Maske, durch das Auge, direkt in den Schädel. Voll dabei beim Spiel mit den Waffen: SF (genau, damals noch DRS geheissen). Übrigens immer dabei wenn Blut im Spiel ist: Das SF. Zum Beispiel als dem unglücklichen Gernot Reinstadler das Fangnetz im Zielsprung der Lauberhornabfahrt das Becken bis zum Bauchnabel zerriss und er eine körperbreite, drei Meter lange Blutstpur hinter sich herzog. Er starb noch auf der Piste. Ebenso Ulrike «Ulli» Maier beim Sturz in der Kandahar-Abfahrt (Genickbruch). A propos Genickbruch: Dank dem Schweizer Fernsehen habe ich allein zwei Genickbrüche geschätzte zwanzig Mal gesehen (immer in Super Slomo; Ulli Maier und Ayrton Senna). Und schliesslich, um diese unvollständige Liste zu beenden, Fabio Casartelli, der tödlich verunglückte Radprofi nach einem fürchterlichen Sturz in der Abfahrt vom Col d’Aspet.
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen, ist bekanntlich schon dem Tod anheim gegeben. Ob es die Schönheit ist, können wir nicht sagen, aber auch wir schauen in der Woche gewiss einmal dem Tod in seine kalten, schönen Augen: Auf der Strasse, mit dem Rennrad, Höllentempo, diffusses Licht, LKW, BMW X5, 14er Tram, dick vermummte Frauen mit Röhrenblick auf dem Zebrastreifen. Und wenn wir dann endlich in unserer trauten Höhle zur fleischgewordenen Krimhilde in die Sportlounge schalten, heisst das Thema in den vergangenen Wochen jeweils: «…aber ist das nicht gefährlich?» Spannend, nicht?
Von der k.u.k-Armee direkt in die Arme des Schweizer Fernsehen. Marco „Büx“ Büchel (für uns der wahre Held der Pisten!)
Ueli Gegenschatz, Basejumper, hatte ein so krasses Leuchten in seinen schmalen Augen wie sonst nur Franco Nero in seinen besten Filmen. Und Marco «Büx» Büchel, ein Mann mit Schnauz (ich meine mit S C H N A U Z), brettert seit so vielen Jahren vereiste Steilhänge herunter, dass wir schon längst alle Amalgam-Plomben verschluckt hätten. Nach der gestrigen Sendung, nach dieser geballten Ladung an Propaganda, da spüren wir tief, tief in unseren männlichen Eingeweiden (EINgeweiden, Dude!) das Verlangen nach einem Basejump, der es wirklich in sich hat, voll mit Endorphin, Adrenalin und was da sonst noch alles so fliessen kann. Da kann Marc Siegenthaler, Fallschirmspringer und Präsident Skydive Schweiz noch lange fragen: «Was mach dr Otto Normauverbucher met däm?» (fragt ein Fallschirmspringer, der sich aus einem Flugezug in 5 Kilometern Höhe stürzt!)
„Aber ist das nicht gefährlich…?“ (kommt darauf an, was sie meint)
Wie viel Sexappeal so ein Basejumper wie Ueli Gegenschatz hat, bewies Steffi Buchli. «Ueli Gegenschatz, verraten Sie mir einen Ihrer Träume!» Und sie schaute Ihn an dabei, oh baby, sie schaute ihn an, dass wir Ihren Traum von den Lippen lesen könnten. Howdy! (L.T.)


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